Sachsengrund will eigenständiger Ortsteil werden

Furcht vor dem Wecken von Begehrlichkeiten

Sachsengrund

Muldenhammer – Sachsengrund sollte ein eigenständiger Ortsteil innerhalb der Einheitsgemeinde Muldenhammer werden. Dieses Anliegen brachte Gemeinderat Jürgen Meinhold bereits zum zweiten Mal bei der Sitzung des Gemeinderates zur Sprache.

1998 war Sachsengrund der Gemeinde Morgenröthe-Rautenkranz angegliedert worden. Nun haben sich über 20 Einwohner an Jürgen Meinhold gewandt. Sie fühlen sich abgehängt vom Ort. Von Morgenröthe aus fährt man nochmals über drei Kilometer bis man nach Sachsengrund kommt. Dort endet die Straße.

Dafür bieten sich herrliche Möglichkeiten zum Wandern und wunderschöne Natur zum Genießen. Sogar eine Gaststätte bietet den Urlaubern ihre Hausmannskost an. Derzeit leben 29 Personen in dem abgelegenen Ortsteil. 21 davon haben mit ihrer Unterschrift kundgetan, dass sie eine eigene Ortschaft innerhalb der Einheitsgemeinde werden wollen. Bei den Gemeinderäten von Muldenhammer löste das keine Begeisterung aus. Einerseits befürchtet man, dass auch andere Ortsteile dann diesen Anspruch erheben könnten. Ob Friedrichsgrün, Schneckenstein, Gottesberg oder Jägersgrün, das könnte Begehrlichkeiten wecken. Andererseits würde das einen enormen bürokratischen Aufwand bedeuten.

So müsste dort eine extra Tafel für amtliche Aushänge aufgestellt und es müsste ein Ortschaftsrat gegründet werden. Das würde die gesamte Struktur der Einheitsgemeinde verändern. Gemeinderat Georg Ludwig fand, dass 21 von 29 Bürgern eine satte Mehrheit bilden, darum sollte man dem Anliegen nachkommen und ihre Identität stärken. Frieder Seidel gab zu bedenken, ob es nicht genüge, Sachsengrund als Ortsteil besser auszuschildern anstatt gleich eine Ortschaft daraus zu machen. Bei der Abstimmung fanden sich letztlich nur zwei Befürworter für das Anliegen Sachsengrunds, drei Räte enthielten sich, die anderen waren dagegen. Man möchte allerdings versuchen, durch eine bessere Beschilderung mehr Aufmerksamkeit für Sachsengrund zu erreichen. ros

2010-05-04
Quelle: http://www.vogtland-anzeiger.de/Vogtland_Anzeiger/index.php?menuid=29&reporeid=2780

                                                         
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Weil der Name stirbt: Wackeres Dorf droht mit Straßensperren

Ein Dorf kämpft ums Überleben. Seit Jahren verschwindet Sachsengrund von den Landkarten, aus Navigationssystemen - und jetzt sogar von Ortsschildern. Schuld sind die Nachbarn aus Morgenröthe-Rautenkranz. Doch das lassen sich die tapferen Sachsengrunder nicht gefallen. Sie sammeln Unterschriften für das Überleben ihres Dorfes - und drohen sogar mit Straßensperren.

„Sachsengrund hat drei Straßen und 29 Einwohner - aber keinen eigenen Ortsnamen mehr.“

Vor elf Jahren ließen die Morgenröther ihren Ortsteil Sachsengrund stillschweigend sterben - keiner kriegte es mit. Das änderte sich erst 2009, als auch Morgenröthe-Rautenkranz in der neuen Einheitsgemeinde Muldenhammer aufging.

Da ging den Sachsengrundern auf, dass es sie im Grunde nicht mehr gibt. Das Dorf wehrt sich mit Mann und Maus gegen die Okkupanten. Jürgen Meinhold (58) rief die Aktionsfront „Freies Sachsengrund“ ins Leben. Mehr als alle machen mit. Bei 29 Einwohnern sammelten Meinhold und Co. 43 Unterschriften für Sachsengrund - „inklusive Ferienhausbesitzer“.

Jürgen Meinhold fordert eigene Ortsschilder und einen Ortsvorsteher: „Andere Orte wurden durch Braunkohle zerstört, wir durch Schilder. An meiner Heimat hängt mein Herz. Wir kämpfen, wenn nötig auch mit Straßensperren.“ Sperren gegen Morgenröthe, Geburtsort des Kosmonauten Sigmund Jähn. Am liebsten
würde Sachsengrund die Nachbarn zum Mond schießen.

Edeltraud Jäschke (75) bemerkte: „Unser Dorf darf nicht unterdrückt werden!“ Sieht Mario Rojahn (33) genauso: „Wir haben drei Straßen, die zwei höchsten Berge des Vogtlandes und keinen Handyempfang. Das muss reichen für einen eigenen Namen.“ Waidmannsheil-Wirtin Anja Aurich (44) hat sich etwas einfallen lassen: „Auf meinen Visitenkarten steht 08262 Sachsengrund.“

Gestern war Versammlung. Dort verteidigte der Bürgermeister des Ortsverbundes Muldenhammer, Jürgen Mann (56, Freie Wähler), die Namenswahl: „Morgenröthe-Rautenkranz hatte einst Priorität. Damals hätten die Sachsengrunder auf den Tisch hauen müssen. Jetzt ist es zu spät.“

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copyright by Daniel Jäschke  -  letzte Aktualisierung November / Dezember 2010